Northwards – Teil 1

Lappland ist Samenland, mit viel Natur und wenig Zivilisation. Überall scheint es geradezu nach Freiheit zu riechen. Dort, im finnischen Grenzgebiet zu Norwegen, liegt auch die nördlichste Gemeinde der EU. Man spricht mehrheitlich samisch, was selbst für Lappland außergewöhnlich ist.

Es gibt keine Touristeninfo weit und breit. Trotzdem gibt es mit dem Kevo Naturreservat ein wunderschönes Wandergebiet entlang der Kevo-Schlucht. Am Südende des Trails befindet sich ein idyllisch gelegener See, zumindest glaubt man das als unbedarfter Wanderer. In Wahrheit ist das jedoch kein See, sondern Sulaoja, Finnlands größte Quelle. Sie liefert angeblich 400 Liter Grundwasser pro Sekunde. Für die Samen, die sie Suttesgáldu nennen, ist dies ein besonderer Ort.

Auf alle Fälle sollte man sich genügend Zeit nehmen diese pure Natur in sich aufzusaugen. Der Weg, der um die Quelle führt ist teilweise mit Brettern ausgelegt, was bei all dem Nass kein Wunder ist. Überall sprießt das Grün, wachsen Beeren, huschen Tiere im Unterholz umher. Wer schnell weiter drängt verpasst wertvolle Augenblicke.

Aber auch dem eiligen Wanderer drängt sich manchmal ein solch besonderer Moment auf. Man will schnell zurück zum Parkplatz, ins Auto steigen und weiterfahren. Die Wege sind weit in Lappland. Daher wählt man die Schritte weitgreifender. Die schweren Wanderschuhe landen gewichtig auf dem Weg.

Der nächste Schritt ist bereits halb gemacht, als von links etwas aus dem Grün des Unterholzes auf den Weg wuselt – und gleichzeitig mit meinem rechten Fuß ankommt. Wir sind beide mächtig erschrocken! Glücklicherweise hat das kleine Kerlchen die Kollision mit dem Wanderschuh schadlos überstanden.

Der kleine Nager schlug sich wieder in die Büsche und grinste mich auf einem Ast hockend neckisch an – zumindest kam mir das so vor.

Ja, ich habe schöne Erinnerungen an Sulaoja, einem Ort, der mir einen Augenblick schenkte, den ich nie wieder vergessen werde.